Influencer und der Hang zur Lüge
Vielleicht habt ihr ja letzte Woche das Video von Marvin Wildhage gesehen, wo er Medfluencer – also Influencer aus dem medizinischen Bereich – dazu gebracht hat, eine erfundene Krankheit zu bewerben. Falls ihr es nicht gesehen habt, verlinke ich es euch hier:
Die Influencerin Alina Walbrun – welche sich vor einiger Zeit übrigens noch Docalina nannte – ist reingefallen. Mit Alina selbst möchte ich mich an dieser Stelle gar nicht groß befassen, auch wenn das nicht das erste Mal ist, dass sie lügt und betrügt. Zu ihr gibt es auf Youtube, Insta und TikTok inzwischen haufenweise Exposings und Aufklärungsvideos, auf welche ich euch gerne verweisen möchte, wenn euch ihr Fall speziell interessiert.
Nein, mir geht es generell um Influencer. Speziell um deren generellen Hang dazu, für Geld und/oder Reichweite gerne zu lügen, Scheinwelten zu erschaffen und ihre Follower zu täuschen. Bekannte Beispiele dafür liefert z.B. mal wieder Marvin. Denn schon einmal hat er Influencer dazu gebracht, Fake-Produkte zu bewerben – etwa eine (nutzlose) Gesichtscreme namens HydroHype). Andere Influencer erfinden eine tragische Krebs-Erkrankung, um damit sogar Bücher zu vermarkten (Belle Gibson).
Ich könnte hier unzählige weitere Namen nennen: ApoRed, Brittany Dawn, etc. etc.
Der Hunger nach Reichweite und Profit
Warum tun so viele Influencer das? Warum erfinden sie Geschichten um ihr Leben, um Produkte die sie selbst in Wahrheit gar nicht nutzen, um Lebensumstände, die nicht existieren?
Fragen wir doch einen Experten: Mr. Crabs!
Oder um es mit eineem Song von der besten Band der Welt zu sagen:
Und das wegen Geld, Geld, Geld
Immer nur Geld, Geld, Geld
Auch wenn euch das nicht so gefällt
Das Wichtigste auf dieser Welt ist nun mal Geld
Influencer leben nun einmal von Reichweite und Aufmerksamkeit. Denn Reichweite bedeutet mehr Chancen auf Kooperationen. Mehr Kooperationen bedeuten dann wiederum mehr Geld und mehr Konsummittel für die Influencer.
Doch Reichweite ist nicht einfach zu bekommen (Ich weiß, wovon ich rede). Es reicht längst nicht mehr aus, einfach nur ein Lied schlecht zu lipsyncen und einen Trend-Tanz auf TikTok nachzumachen. Die sozialen Netzwerke lieben Drama, sie lieben Geschichten, sie lieben Extravaganz. Und so werden Luxuswohnungen für kurze Zeit angemietet, um darin Videos zu drehen und zu prahlen, das sei das eigene Heim. Es werden tragische Geschichten um den Krebskranken Hund der Oma von der Tante des Nachbarn erzählt. Es wird von angeblichen Erlebnissen im Krankenhaus oder auf der Uni berichtet, die so nie geschehen sind. Und es werden natürlich möglichst viele Kooperationen angenommen und möglichst viele Produkte beworben.
Die Gefahr
Doch was ist denn nun so schlimm daran, wenn Influencer ein wenig flunkern? Nun, nehmen wir doch gerade Medfluencer Die Gefahr hier sollte logisch sein: Eure Gesundheit könnte gefährdet sein, wenn ihr auf falsche Produkte/Gesundheitsversprechen reinfallt. Zudem wird das Bild von echten Mediziner*innen dadurch geschädigt. Menschen könnten ihr Vertrauen in Ärzte verlieren, den Besuch bei diesen verweigern und so am Ende ihr Leben gefährden oder gar verlieren.
Oder Dubai-Influencer, die ein völlig verklärtes Bild vom Leben in Dubai propagieren. Hier wird ein Lifestyle vermarktet, der für einen Großteil von uns nicht ohne weiteres erreichbar sein dürfte. Und in den meisten Fällen führt das dann weiter zu dubiosen Aktiengeschäften oder in Schneeballsysteme, wo ihr dann euer Geld verliert – nur, damit der Dubai-Influencer dann am Ende von eurem Geld einen Monat länger dort im Luxus baden kann.
Oder Fitness-Influencer, die mit falsch ausgeführten Übungen Anleitungen geben, wo ihr euch am Ende beim Nachmachen verletzt. Oder die mit falschen Ernährungstipps eure Gesundheit gefährden. Oder mit dem propagierten Schönheitsbild Essstörungen und Depressionen fördern können.
Kritik vs. „Mobbing“
Das nächste Problem sind dann nicht nur die Influencer selbst, sondern auch verblendete Seelen, welche kritisierte über alle Widrigkeiten hinweg verteidigen. Diese melden sich aktuell auch wieder im Falle von Alina Walbrun. Dabei wird Kritik gerne als „Hate“ bezeichnet oder gar als Mobbing. Und gerade letzteres macht mich richtig wütend. Denn ich war selbst viele Jahre lang Opfer von Mobbing. Ich wurde in der Schule drangsaliert, bespuckt, geschlagen, mir wurden Sachen kaputt gemacht und meine Schulzeit war zeitweise die Hölle. Wenn jetzt irgendwelche Leute valide Kritik an Influencern als Mobbing bezeichnen, wird nicht nur die Kritik entwertet: Nein, der Begriff Mobbing wird dadurch verwässert – und das darf nicht sein.
„Ihr seid schuld, wenn Alina Suizid begeht!“
Diesen Kommentar habe ich heute tatsächlich auf TikTok gelesen und wollte meinen Kopf auf die Tastatur schlagen. Nein, wir sind nicht schuld, wenn Alina ihr Leben beenden sollte. Denn das, was ihr widerfährt, IST KEIN MOBBING. Alina erfährt gerade Kritik. Das sind die Konsequenzen für ihr Verhalten. Natürlich gibt es auch in ihrem Fall Menschen, die es übertreiben. Die beleidigend werden, drohen und es übertreiben. Die gibt es im Internet immer. Aber sie sind eine klare Minderheit. Alina hat nun mal wiederholt gelogen und wird nun exposed.
Hört verdammt nochmal auf, Influencer um jeden Preis in Schutz zu nehmen und Kritik als Hate oder Neid zu bezeichnen. Ihr werdet dafür keinen Dank von den Influencern bekommen. Sie werden euch nichts überweisen oder schenken. Fangt endlich an, selbst zu denken und eure Idole auch mal zu hinterfragen. Glaubwürdigkeit lässt sich leicht vortäuschen. Es liegt an uns, genau hinzuschauen und ehrliche Vorbilder von geschickten Verkäufern zu unterscheiden. Natürlich sind nicht alle Influencer so, das weiß ich natürlich. Aber es ist dennoch ein bedenklich großer Anteil. Darum ist es auch so wichtig, dass ihr alles hinterfragt, was euch Influencer erzählen wollen. Nehmt nicht jede Story sofort ungeprüft für bare Münze, kauft nicht blind alles, nur weil euch irgendwer auf TikTok das als bestes Produkt aller Zeiten verkaufen will.
Cheers,
euer Beriel

