Juli 2, 2026

Wie Uwe Boll mit der Dummheit der Rechten Kasse macht

Uwe Boll hat einen neuen Schmutzfilm produziert, welcher Selbstjustiz verherrlicht und gegen Migrant*innen hetzt.

Das Märchen des Verbots

Jedenfalls ist dieser Film eine einzige Katastrophe und würde komplett in der Belanglosigkeit untergehen, wenn nicht Boll einen recht cleveren Move gemacht hätte: Der Film hat keine Altersfreigabe von der FSK erhalten. Das bedeutet:

  • Der Film darf nicht im Kino oder auf Streamingdiensten gezeigt werden
  • Der Film darf im Handel nicht offen ausliegen und nicht beworben werden

Wichtig ist: Das entspricht keinem „Verbot“. Warum das wichtig ist? Weil Uwe das so darstellt. Er hat die FSK-Verweigerung als „Zensur“ und „Verbot“ dargestellt und damit die Zielgruppe – dämliche Rechte – perfekt geködert. Denn allein durch diese Darstellung als „Verbotener Film“ weckt der Film durch den Streisand-Effekt besonderes Interesse bei der „Hauptsache-dagegen-Fraktion“. So hat Elon Musk himself den Film auf Shitter für befristete Zeit kostenlos reingestellt, um ihm Reichweite zu geben. Haufenweise Rechte Dullis haben den Film in irgendeiner Form gekauft, weil ja „der Staat nicht wolle, dass man die Wahrheit sieht“. Insbesondere durch Elon Musks Upload auf X wurde der Film für Rechte nicht nur zum popkulturellen Werk, sondern zum Symbol des Widerstands gegen ein vermeintlich linkes Establishment. Ohne diese „Verbot“ Debatte würde niemand über den Film reden. Er würde irgendwo in den Weiten des Internets herumgeistern. Aber durch diese Darstellung als „verboten“ kassiert Uwe nun Geld von den Rechten ein und der Film gewinnt an unglaublicher Reichweite.

Warum besonders die Rechten den Film feiern

Und ja, ich sage bewusst Rechte. Denn der Film ist nichts anderes als eine verfilmte rechtsextreme Gewaltfantasie.

Die Handlung des Films ist simpel: Ein Mann begeht immer wieder Selbstjustiz gegen migrantische Straftäter*innen – und gegen die Polizei. Und kommt am Ende davon. Der Film propagiert den Protagonisten als Helden, der gegen die bösen Migranten kämpft. Natürlich. Die Selbstjustiz in Citizen Vigilante richtet sich gezielt gegen Migranten und marginalisierte Gruppen. Es werden typische, rassistische Stereotype und rechtsextreme Verschwörungserzählungen reproduziert. Berichten zufolge kommt es am Ende des Films sogar zur Hinrichtung einer kompletten muslimischen Familie, wodurch ethnisch motivierte Gewalt als legitimes Mittel gefeiert wird.

Rechte argumentieren gern dagegen mit Vergleichen mit anderen Selbstjustiz-Filmen. Bloß blöd, dass sie dabei ein Detail vergessen – bei den Filmen, welche Rechten so gerne als Vergleich heranziehen, geht die Selbstjustiz stets gegen Kriminelle unabhängig von deren Herkunft, Hautfarbe oder Religion. Und in jedem der Filme wird der Protagonist zwar „vom Volk gefeiert“, aber dennoch wird der Protagonist dabei nicht in den Augen der Zuschauenden glorifiziert. Die Filme stellen Selbstjustiz dennoch als das dar, was diese ist: ein Verbrechen mit entsprechenden Konsequenzen und Folgen.

Citizen Vigilante jedoch macht das nicht. Der Film glorifiziert nicht einfach nur die Selbstjustiz seines Protagonisten, er forciert diese. Und er zielt auf ein bestimmtes Feindbild ab: Migrant*innen. Diese einseitige Darstellung schürt beim geneigten, ausländerhassenden, Zuschauer natürlich dessen Hass weiter und insofern ist es nur logisch, dass die FSK hier einschreitet. Zudem ist die Glorifizierung von Straftaten in DE selbst strafbar, das nur am Rande. Hier geht es also nicht nur um die Darstellung von Migrant*innen als das Böse, sondern auch um die generelle Glorifizierung der Taten des Protagonisten. Im Film selbst folgt zu keiner Zeit die moralische Aufklärung und Distanzierung von den Taten. Im Gegenteil – am Ende entkommt der Protagonist der Justiz und entzieht sich so der gerechten Strafe für seine begangenen Morde.

Ist der Film denn nun wenigstens cineastisch“gut“?

Kurz und knapp: Nein. 

Der Film ist größtenteils ein gewöhnlicher, gar langweiliger Selbstjustiz-Thriller. Ähnlich wie Gesetz der Rache oder Ein Mann sieht rot. Nur, dass hier das Thema Migration auf plumpe Weise in den Mittelpunkt gerückt wird. Platte Monologe, lahmes Schauspiel und propagandistische Darstellung von Migrant*innen.

Die guten Kritiken kommen bei dem Film bisher einzig und allein aus einer politischen Motivation heraus – und nicht, weil der Film gut wäre.

Die Kommentare unter ernsthaften Kritiken zu dem Film erspare ich euch an dieser Stelle. Denn die Rechten, die ja selbst so sehr gegen die angebliche Meinungsdiktatur sind, reagieren hier mal wieder auf andere Meinungen sehr…gereizt. Ich wurde etwa auf Instagram persönlich beleidigt und mit dem Tode bedroht, weil ich geschrieben habe, dass ich den Film einfach schon handwerklich nicht mag.

Ein paar abschließende Worte

Ist Uwe Boll jetzt ein „Guter“, weil er die Rechten abzieht? Ganz sicher nicht. Er hat diesen Film nicht gemacht, um Rechte zu foppen und ihnen Robin-Hood-mäßig das Geld abzuluchsen. Er hat den Film einzig und allein so gemacht, um zu provozieren und Aufmerksamkeit zu generieren. Er will Geld verdienen – ihm ist egal, von wem es kommt. Und die Aktion macht aus ihm keinen Ritter in strahlender Rüstung: Für KEINE Seite – auch wenn Rechte ihn jetzt als solchen für sich sehen mögen.

Es ist schon irgendwie ironisch. Der Film wird gerade aus politischen Gründen von ausgerechnet den Menschen gefeiert, die bei anderen Filmen immer laut rufen, dass man doch Politik und Ideologie aus den Filmen raushalten solle. Etwa, wenn in einem Film oder einer Serie Charaktere durch BiPoC, Frauen oder queere Darsteller*innen verkörpert werden. Dann wird wieder gebrüllt, der Film/die Serie sei woke und ideologisch und das Werk wird verteufelt, ohne es geschaut zu haben. Wenn aber die gezeigte Ideologie dem eigenen Weltbild dieser Brüllaffen entspricht, dann ist es natürlich okay.

Für mich steht jedenfalls fest, dass Citizen Vigilante ein Stück Müll ist und von niemandem geschaut werden sollte.

 

Cheers.

Beriel