Wie genKI das Internet und die Menschen zumüllt und verblödet
KI, speziell generative KI, ist aktuell in aller Munde. Tech-Bros wollen sie uns als die Zukunft verkaufen, als Problemlöser für ALLES.

Warum KI aber genau das nicht ist, erkläre ich euch heute. Macht euch einen Kaffee oder Tee, setzt euch gemütlich hin und lasst mich euer Erklärbär sein.
Was ist „KI“ denn eigentlich?
Für was KI steht, wisst ihr hoffentlich alle, ohne dafür chatGPT zu fragen: KI = Künstliche Intelligenz. (auf englisch: AI = Artificial Intelligence). Der Begriff beschreibt die Technik, mit welcher menschliche Intelligenz durch Computer nachgeahmt werden soll. Dazu gehören z.B. strategisches Denken oder Sprache. Ziel ist es, eine Technik zu schaffen, welche Menschen im Alltag unterstützt, indem der Computer dann bestimmte Denkprozesse übernimmt, diese effizienter und schneller erledigt als der Mensch und so den Alltag leichter und bequemer macht. Dafür werden Algorithmen entwickelt, mit denen der Computer dann Abläufe lernen soll. (Eine einfache Erklärung des Themas findet ihr z.B. auch hier).
Und was ist nun „generativ“?
generative KI heißt so, weil sie aus den Eingaben der benutzenden Person – aus dem sogenannten Prompt – Inhalte generiert: Texte, Bilder, Videos, etc.
Der Algorithmus ist hier darauf ausgelegt, die Eingabe des Benutzers zu analysieren, dann zu berechnen, was das wahrscheinlichste Wunsch-Ergebnis ist und dieses dann anhand der gelernten Quellen zu generieren.
Beispiel
Der Benutzer gibt als Prompt ein „Bild eines tanzenden Pandas“. Die KI analysiert die Eingabe anschließend und erfasst tanzen und Panda als zentrale Elemente. Dann wird die eigene Datenbank nach Bildern durchforstet, die am ehesten zu dem Prompt passen könnten und aus diesen Bildern aus der Datenbank nimmt die KI dann Elemente, welche als am wahrscheinlichsten passend erkannt werden und fügt diese Elemente dann zu einem Bild zusammen, welches möglichst dem Wunsch des Users entspricht. Das ist natürlich stark vereinfacht erklärt.
Problem Nummer 1: Die Datenquellen
Wie im Beispiel erwähnt, berechnet die KI bei der Generierung der vom User geforderten Inhalte das Ergebnis anhand einer Datenbank. Also einer Quelle an Originaldaten, anhand derer sie trainiert wurde/wird. Diese Datenbank enthält wirklich riesige Mengen an Quelldaten: Bilder, Videos, Texte, Sounds, etc. Und das ist einer der größten Kritikpunkte an der genKI – denn diese Quelldaten müssen ja zuvor von irgendwem geschaffen worden sein. Also von Menschen. Und gerade im Bereich der Kunst – Bilder, Musik, Buchtexte, Videos – wurden und werden diese Urheber der Originalwerke nicht konsultiert, ob man ihre Werke dafür verwenden darf. Sie werden nicht um Erlaubnis gefragt, nicht vergütet, sie bekommen noch nicht einmal eine Info darüber, dass ihr Werk in der KI gelandet ist. Unzählige Kunstschaffende werden so einfach bestohlen, nur damit die KI aus ihren Werken erst lernen kann, um dann massenhaft Prompts auf Wunsch von Internet-Anwender*innen umzusetzen und dabei diese Werke der Kunstschaffenden wiederum in deren Einzelteile zu zerlegen und aus diesen Einzelteilen dann neue Ergebnisse zu berechnen und zu generieren. In jedem per KI generierten Bild stecken also quasi unzählige Einzelteile der Arbeit von Kunstschaffenden, die für dieses Ergebnis keinerlei Dank, keinerlei Vergütung, keinerlei IRGENDWAS bekommen. Im Gegenteil: Diese Kunstschaffenden werden im Endeffekt sogar durch die KI nicht nur bestohlen, sondern auch ersetzt. Statt einen Artist zu beauftragen und für ein Bild zu bezahlen, wird nun ein Prompt in die KI gefüttert, die dann aus den bestehenden Werken des besagten Artists – und seiner Kolleg*innen – kostenlos und sekundenschnell das Ergebnis liefert.
Dass Kunstschaffende dagegen protestieren, sollte wohl verständlich sein.
Problem Nummer 2: Der Effekt auf die menschliche Intelligenz
Ein gängiger Begriff der Fachwelt lautet: Use it or lose it. Übersetzt: Fähigkeiten, welche man nicht nutzt, gehen mit der Zeit verloren. Wer ständig selbst einfache Aufgaben mit dem Taschenrechner rechnet, verliert Übung im Kopfrechnen. Wer immer nur mit google Maps sein Ziel sucht, bekommt weniger Gefühl für seine Umgebung – und so weiter.
Nun die Frage: Wenn Leute sich also daran gewöhnen, komplexe Texte durch KI zusammenfassen zu lassen – verlieren sie die Fähigkeit, die Texte selbst zu durchdringen? Wenn sie ihre Texte per KI schreiben – verlieren sie die Schreibskills?
Um das klar zu beantworten, bräuchte es empirische Langzeitstudien. Aber ChatGPT gibt es erst seit 2022. Entsprechend liegen keine harten Daten vor, die einen Kompetenzverlust klar belegen würden.
Aber das Risiko besteht allemal.
Menschen neigen dazu, sich zu sehr auf die KI zu verlassen
Ein Problem, was definitiv schon besteht: Immer mehr Menschen neigen immer mehr zur Nutzung von KI für selbst simpelste Fragen. Wo sie früher Dinge bei Google – oder anderen Suchmaschinen – suchten und dann die Ergebnisse selbst suchten und analysierten, wird heute eine Anfrage bei ChatGPT eingetippt und dann der KI diese Analyse überlassen. Das ist aus folgenden Gründen ein Problem:
- Ressourcen: Eine Anfrage bei ChatGPT verbraucht wesentlich mehr Energie (Strom, Wasser), als eine Google-Suche. Aus klimatischer Sicht ist jede Anfrage an eine KI wesentlich schädlicher für unser Klima, als eine Google-Suche oder Anfrage in einem Forum.
- Fehlerhafte Ausgaben: KI spuckt oft fehlerhafte Ergebnisse aus und halluziniert. Das liegt daran, dass KI nicht zwischen wahr und falsch unterscheiden kann. Der Algorithmus berechnet nur, welche Ergebnisse am wahrscheinlichsten dem entsprechen, was der Benutzer möchte. Dabei können entsprechend auch Fehler passieren in der Berechnung, was dann falsche Ergebnisse anzeigt.
Das bedeutet natürlich nicht, dass KI generell unkritisch macht. Aber sie verführt in Einzelfällen zumindest dazu, es sich kognitiv bequem zu machen und sich zu sehr auf das Ergebnis zu verlassen.
Immer häufiger kommt es zudem vor, dass Menschen sich bei Diskussionen auf die KI stützen. Statt gut überlegte, eigene Argumente zu bringen, wird ChatGPT gefragt und das ausgespuckte Ergebnis – oft ungefiltert – in den Raum geworfen. Das schadet einer gesunden Diskussion natürlich.
Problem Nummer 3: Kapitalismus
Grundsätzlich kann man davon ausgehen: Wenn eine neue Technologie kommt, finden Konzerne einen Weg, daraus Profit zu machen. Auf KI trifft das auch zu. Und leider trifft es mal wieder die kleinen Leute besonders hart: Denn diese verlieren derzeit immer häufiger ihre Jobs/Aufträge wegen KI. Konzerne ersetzen Stellen durch KI, Menschen verzichten auf Beauftragung eines Kunstschaffenden für ein Bild/Video und machen das lieber per KI. Synchronsprecher*innen werden seltener gebucht, weil man lieber KI-Stimmen nimmt und Netflix verpflichtet seine Sprecher*innen über Knebelverträge zur Zustimmung, dass ihre Stimmen an die KI verfüttert werden.
Auch wird Hardware – simpler Arbeitsspeicher, Festplatten, etc. – aktuell enorm teuer, weil die KI-Rechenzentren diese aufkaufen und es so zu Verknappung und Preiserhöhungen kommt.
Problem Nummer 4: Die Versloppung des Internets
Dieses Problem ist fast nicht mehr zu übersehen: Das Internet ist inzwischen verseucht von billigem KI-Slop. Das Internet war schon immer voller Grütze, keine Frage. Aber seit 2022 nimmt die Menge an Grütze drastisch zu, da mit KI nahezu jede*r schnell und einfach solche Grütze generieren lassen kann.
- Deepfakes, die verfälschte Ereignisse zeigen, um Stimmungen zu machen und Reichweite zu generieren
- Seelenlose Thumbnails auf Youtube oder gänzlich per KI erstellte Videos, die 1:1 aus der KI auf YT hochgeladen werden, um schnell mit sexualisierten, humanoiden Früchten Klicks zu farmen oder irgendwelche Haie mit Schuhen, die als Brainrot die Plattformen zumüllen.
- Nahezu 40% neu erscheinender Songs auf Spotify und co sind KI-generiert
- Der Buchhandel wird mit schnell zusammengesloppten KI-Büchern zugemüllt, echte Autor*innen gehen unter
- Online-Shops werden mit Fake-Produkten geflutet, die per KI-Bildern Merkmale faken
- Jede 3. Werbung auf Instagram und co ist per KI erstellt
- Webseiten, die einen seriösen Eindruck erwecken sollen und vermeintlich wissenschaftliche Texte zeigen sollen, aber inhaltlich leer sind, werden komplett mit KI-Slop erstellt
Diese Inhalte sind aus vielen Gründen problematisch. Gerade die Deepfakes können missbraucht werden, um insbesondere die politische Meinung zu beeinflussen und zu manipulieren. Derzeit nehmen gerade im deutschen Raum etwa die gefälschten Inhalte zu, die vermeintliche Missetaten von Migrant*innen zeigen sollen, um Hass und Ablehnung gegen Flüchtende zu schüren und so rechten Parteien wie der AfD in die Hände zu spielen.
Aber auch vermeintlich harmlose Inhalte, wie die humanoiden Früchte, können gefährlich sein. Denn gerade auf Plattformen, auf denen Kinder und Jugendliche unterwegs sind (TikTok z.B.) landen solche Inhalte dann in deren Hände. Und gerade diese Früchte zeigen oft ein gefährliches Gesellschaftsbild: Die weiblich gelesenen Früchte werden in diesen Videos enorm sexualisiert, herabgewürdigt und negativ dargestellt. Damit werden misogyne Weltbilder verbreitet und jüngere Menschen negativ beeinflusst.
Seit Ende 2024 lassen sich online mehr KI-erzeugte als menschgemachte Artikel finden. Das Problem hierbei: Wie schon erwähnt, neigt KI zu Fehlern. Diese landen in diesen Artikeln und werden so verbreitet. Und da KI das Internet auch als Quelle nutzt, um weiter zu lernen, reproduziert die KI selbst diese Fehler immer weiter. Jeder dieser Fehler landet in einem Kreislauf früher oder später im Lerndatensatz der KI’s, wird dort als „wahr“ eingespeichert und so wieder und wieder reproduziert, bzw. durch neue Fehler dann noch weiter verfehlert. KI kannibalisiert sich damit quasi selbst und verblödet sich selbst zunehmend – und natürlich auch die User. Denn es wird zunehmend schwerer, KI-Inhalte als User zu erkennen und zu filtern.
Das Fazit
Wer mich kennt, weiß um meine Ablehnung von KI im Kunst-Bereich. Die Gründe gehen aus diesem Post hier hervor, ich habe auch zu dem Thema direkt schon mal einen Post erstellt (Link hier). Ich möchte aber hier auch klarstellen, dass ich KI nicht grundsätzlich ablehne. In einigen Bereichen kann sie durchaus nützlich sein. Wenn man sie richtig einsetzt, kann man mit KI in vielen Bereichen – etwa Programmierung – Abläufe durchaus erleichtern und verbessern. Es ist aber eben wichtig, dass man
a) nicht alles einfach ungefiltert durch die KI machen lässt, sondern selbst mitdenkt und die KI nur zur Unterstützung nutzt
b) den Kunst-Sektor aus genannten Gründen ausklammert. Bücher, Bilder, Musik und Videos sollten weiterhin rein menschlich bleiben. Denn jede Nutzung der KI in diesen Bereichen beutet im Endeffekt Kolleg*innen aus dem Bereich aus.
Cheers.
Beriel
