Triggerwarnung:
Dieser Artikel thematisiert Themen und Inhalte, die potentiell belastend sein können
Wenn dich diese Themen stark belasten oder negative Gefühle auslösen könnten, empfiehlt es sich, den Artikel mit Vorsicht zu lesen oder ihn gegebenenfalls zu überspringen.
Dieses Thema ist enorm heikel, ich weiß. Aber es ist wichtig, darüber zu sprechen.
Ihr kennt sie vielleicht schon, die Pedo-Hunter. Falls nicht, hier eine kurze Erklärung:
So nennt man – bzw. sie selbst – eine Bewegung aus Leuten, die mit unterschiedlichen Methoden Jagd auf (mutmaßliche) Pädophile machen, um diese zu stellen. Das klingt auf den ersten Blick nobel: Kinder vor Missbrauch schützen und mutmaßliche Täter im Netz überführen. Doch leider verbirgt sich hier mehr dahinter, als Heldentum. Warum diese Bewegung mehr als problematisch ist, erläutere ich nun.
1. Gefährdung rechtsstaatlicher Verfahren
Wir leben in einem Rechtsstaat. Die Strafverfolgung obliegt hier allein der Justiz. Die Pedohunter agieren außerhalb dieses Systems und beeinträchtigen es.
Beweismittelverwertung
Oft sammeln die Hunter Beweise auf Wegen, welche vor Gericht nicht standhalten. Illegale Hacks oder manipulativ geführte Fake-Chats können dazu führen, dass echte Täter aufgrund von Formfehlern freigesprochen werden müssen und letztlich so sogar durch die Hunter ungewollt unbestraft bleiben. Wenn die Jäger etwa Verdächtige aktiv zu Aussagen drängen oder manipulieren, sind diese Chats vor Gericht nicht mehr verwertbar.
Fehlende Neutralität/Unvoreingenommenheit
Die Polizei sucht bei Ermittlungen grundsätzlich neutral nach belastenden Beweisen – aber auch entlastende Beweise werden berücksichtigt. Hunter hingegen sind oft derart überzeugt von der Schuld eines von ihnen ins Visier genommenen Täters, dass sie nur nach Bestätigung für ihren Verdacht suchen und selbst kleinste MÖGLICHE Hinweise als stichfesten Beweis werten und dann weiter agieren.
Behinderung echter Polizeiarbeit
Professionelle Ermittler*innen arbeiten oft monatelang verdeckt, um nicht nur einzelne Pädophile selbst, sondern auch direkt potentielle Hintermänner und Netzwerke aufzudecken und zu fassen.
Wenn nun aber eine Gruppe von Amateuren einen mutmaßlichen Verdächtigen vor laufender Kamera stellt und das dann ins Internet stellt, passiert oft Folgendes:
- Hintermänner werden durch die veröffentlichten Videos gewarnt, warnen einander, löschen Beweise und tauchen unter – ehe die Polizei sie fassen kann. Die Polizei verliert dabei wertvolle Spuren.
- Oft führt eine solche Stellung durch Hunter dazu, dass die gestellten Täter noch vor dem Ergreifen durch Behörden auch sie selbst betreffende Beweise vernichten können
- Es kommt oft zu Verwechslungen und Vor-Verurteilungen: Es kam bereits mehrfach vor, dass Unschuldige aufgrund von Namensverwechslungen, Account-Hacks durch echte Täter oder manipulierte Beweise ins Visier gerieten. Da die Hunter oft auf Doxxing zurückgreifen, landen dann Daten von Unschuldigen für immer im Netz, mit teils fatalen Folgen für die Betroffenen.
- Selbstjustiz: Wenn die Hunter Verdächtige körperlich angehen, begehen sie selbst eine Straftat.
2. Falsche Motivation
Die Frage nach dem WARUM ist ebenso wichtig. Viele der Hunter finanzieren sich durch die generierten Inhalte ihren Lebensunterhalt (z.B. durch Spenden). Es geht oft mehr um die Selbstdarstellung, als um das tatsächliche Wohl von Kindern. In Chats geben sich die Jäger oft selbst als Kinder aus. Dabei missbrauchen sie oft auch echte Bilder und Inhalte von Kindern als Lockmittel. Zwar nutzen die Hunter – hoffentlich – kein explizites Material, aber dennoch greifen sie auf Bilder von echten Menschen zurück, die so in die Fänge von potentiellen Predatoren landen.
Zudem wird das Pedo-Hunting auch oft von Straftätern missbraucht, um mutmaßliche Predatoren nicht nur zu einem Treffen zu bringen, sondern diese auch vor Ort auszurauben und sich so an deren Eigentum zu bereichern.
Auch sind viele Pedohunter aus der rechtsextremen Ecke – diese suchen dann bevorzugt nach Tätern, die dem Weltbild entsprechen (Also ausländische Herkunft), bzw. teilen dann vorrangig Videos, die dieses bestätigen – so soll dann zeitgleich noch Angst und Hass gegenüber Migrant*innen geschürt werden und Stimmung gemacht werden.
Fazit
Natürlich ist Kinderschutz absolut wichtig. Pädosexuelle Straftäter – wichtig: Nicht jede*r an Pädophilie leidende ist straffällig – müssen auch der Justiz zugeführt werden. Aber das immer auf dem juristisch sicheren Weg:
Wenn ihr einen mutmaßlichen Pädophilen entdeckt, der den Kontakt zu Kindern sucht – egal ob RL oder online – dann meldet diesen den Behörden. Keinesfalls solltet ihr euch an Pedo-Hunter wenden oder gar selbst welche dafür werden.