Warum „Ich hasse Männer“ nicht gleich „Männerhass“ ist
Ich hasse Männer.
Das hört man – gerade online – immer wieder und immer öfter. Auch von mir. Und jedes Mal fühlen sich dann Männer davon angegriffen und beleidigt und hinterlassen entsprechende Kommentare. Mimimi, Männerhass.
Aber nein, das ist kein Männerhass. Denn es sind mitnichten alle Männer gemeint.
Wenn FLINTAS* und Feminist*innen von „Ich hasse Männer“ sprechen, meinen sie nicht ihren Partner, den Bruder oder den netten Arbeitskollegen. Es geht nicht darum, Männer per se als Menschen abzuwerten. Es ist vielmehr eine Kritik an struktureller Macht: Der Satz wendet sich gegen jene Rolle, welche Männer als soziale Gruppe in unserem patriarchal dominierten System einnehmen. Der Hass richtet sich gegen die Privilegien, die ungleiche Machtverteilung und die Gewalt, die Frauen durch dieses System tagtäglich erleiden.
Aber warum dann „ich hasse Männer“ und nicht „Ich hasse das System“?
Feministische Bewegungen brauchten schon immer radikale Formulierungen und Provokationen, um Gehör zu finden. Höflicher Protest wird leicht ignoriert und belächelt. Der Satz ich hasse Männer jedoch triggert. Er reizt Männer zur Reaktion – und damit sorgt er für Reichweite und Gehör.
Ich hasse Männer als Ausruf der Wut erzeugt deutlich mehr Aufmerksamkeit, als eine präzisere Parole wie etwa Ich hasse gewisse, historische, patriarchale Machtstrukturen und deren Auswirkungen“.
Gleichzeitig legt der Satz aber auch perfekt offen, wie viele Männer es nach wie vor nicht verstehen, wie privilegiert sie in diesem System sind. Denn statt den Frauen zuzuhören und entsprechend sich und ihre Rolle zu hinterfragen, reagieren die Männer meist gekränkt und angegriffen. Sie weichen der eigentlichen Debatte somit aus.
Der Unterschied zwischen Misandrie (Männerhass) und Misogynie (Frauenhass)
Und selbst wenn eine Frau den Satz mal tatsächlich ernst meint und auf das Geschlecht bezieht – Männerhass ist deutlich weniger schlimm als Frauenhass.
- Misogynie ist systematisch verankert. Sie führt zu gesellschaftlichen Nachteilen für weiblich gelesene Personen, zu Gewalt und sogar zum Tod.
- Misandrie führt dazu, dass Männer keinen Sex bekommen. Sie beschneidet keine Rechte von Männern. Ein Mann verliert nicht seine Chancen auf dem Arbeitsmarkt oder seine gesellschaftliche Rolle, wenn eine Frau ihn hasst.
Aber wenn Männer sagen würden „Ich hasse Frauen“
Gerne führen beleidigte Männer diesen Gegenwurf als Argument ins Feld. Doch hier ist wieder der Kontext relevant. Nochmal: Wenn eine FLINTA* sagt Ich hasse Männer, dann meint sie – in den meisten Fällen – besagte Strukturen des Patriarchats und nicht jeden einzelnen Mann als Mensch an sich.
Ich hasse Frauen hingegen kann einen solchen Kontext nicht bieten, weil es solche Strukturen für Frauen so gut wie nicht gibt. Es gibt in den meisten uns bekannten Ländern und Kulturen kein Matriarchat, in welchem Männer strukturelle Benachteiligung erfahren würden und eine solche Bewegung Sinn ergäbe. Der Satz kann daher nur aus tatsächlich frauenfeindlichen Gründen kommen, oder eben als unreifer Trotz gegen die feministische Bewegung, weil Man(n) sich von dieser angegriffen fühlt und lieber trotzig auf den Boden stampft, als zuzuhören und das System mal selbst zu hinterfragen. Warum auch? Schließlich ist Man(n) ja einer derer, die von diesem System profitieren.
Nicht alle Männer!
Ebenfalls ein Klassiker. Aber ich bin nicht so – rufen die Männer nur zu gerne. Dabei wird erneut die strukturelle Kritik – bewusst oder unbewusst – ignoriert und übergangen.
Wenn jemand etwa sagt: „Unsere Gesellschaft hat ein Problem mit Rassismus.“ – bedeutet das auch nicht, „Jeder Mensch in diesem Land ist ein Rassist.“
Ebenso bedeutet Kritik an patriarchalen Strukturen nicht, dass jeder Mann persönlich sexistisch, frauenfeindlich oder übergriffig ist.
Statt sich also angegriffen zu fühlen und zu fragen, ob man nun gemeint sein könnte, sollte man lieber fragen: Welche gesellschaftlichen Strukturen werden hier kritisiert und welche davon treffen tatsächlich auf mich zu?
Der Kern der Aussage lautet nicht: „Jeder Mann ist schlecht.“ Dafür ist es auch nicht notwendig, dass die Frau selbst explizit ein „Not all men“ anfügt. Das sollte selbstverständlich sein. Nein, der Kern der Aussage lautet: „Ich bin wütend über eine Gesellschaft, welche Frauen aufgrund ihres Geschlechts benachteiligt und bestimmten Erfahrungen aussetzt.“
Fazit
Wir Männer sollten aufhören, uns von feministischen Parolen angegriffen zu fühlen. Wir sollten viel mehr endlich den Frauen zuhören und uns fragen: WARUM fühlen die Frauen so und wie kann ICH als einzelner Mann helfen, das zu verbessern?
Cheers.
euer
Beriel
(ein Mann)
