Tankies: Imperialisten, die keine sein wollen und warum sie gefährlich sind
In politischen Diskussionen im Web stolpert man unweigerlich irgendwann über den Begriff Tankie. Oft wird er als Kampfbegriff verwendet, um bestimmte Strömungen innerhalb der politischen Linken zu diskreditieren – doch hinter dem Wort verbirgt sich auch eine sehr reale und hochproblematische Haltung. In diesem lange überfälligen Post will ich mich damit befassen und euch aufklären: Woher der Begriff stammt, warum die Ideologie gefährlich ist und welche Parallelen es zum Rechtsextremismus gibt.
Der Begriff und seine Herkunft
Die Bezeichnung Tankie stammt ursprünglich aus Großbritannien. Als die Sowjetunion im Jahr 1956 den ungarischen Volksaufstand und 1968 den Prager Frühling mit Panzern brutal niederschlug, führte das zu einer Spaltung der kommunistischen Bewegung im Westen.
Viele Linke verurteilten die Gewalt gegen Zivilist*innen und distanzierten sich von Moskau.
Aber es gab auch jene, welche diese Einsätze als notwendige Maßnahme gegen angebliche Konterrevolutionäre sahen und sie entsprechend verteidigten. Diese Verteidiger der Panzerangriffe wurden hernach als Tankies – abgeleitet vom englischen Tank für Panzer – bezeichnet.
Die Bedeutung hat sich im Laufe der Zeit leicht gewandelt, der Kern ist aber geblieben: Heute sind Tankies Personen, welche sich selbst als links bezeichnen, aber eine unkritische, verteidigende Haltung gegenüber Diktaturen und repressiven Regimen einnehmen, solange diese Regime sich gegen die USA bzw. den westlichen Kapitalismus stellen.
Die Schwarz-weiße Welt der Tankies
Der Fehler in dieser Ideologie liegt in einem binären und stark vereinfachten Weltbild. Für Tankies ist der westliche Imperialismus – insbesondere jener der USA – das absolute und einzige Übel der Welt. Aus dieser Prämisse folgt der Umkehrschluss: Jeder Feind des Westens ist automatisch ein Verbündeter im Kampf für eine gerechtere Welt. Dieser Campismus teilt die Welt starr in gut und Böse ein. Tankies verteidigen also die – ebenso imperialistische – Sowjetunion bzw. Russland (Ebenso imperialistisch), solange diese sich gegen den Westen richten. Gleichwohl nennen sie sich selbst anti-imperialistisch.
Warum das kritisch ist, zeigt sich in einigen Beispielen:
- Verteidigung imperialistischer Kriege: Besonders deutlich zeigt sich die Haltung der Tankies beim russischen Angriffskrieg gegen die Ukraine. Die Tankies übernehmen blind russische Lügen und Narrative von der NATO-Osterweiterung und leiten daraus ab, dass Russland sich ja nur schützen wolle und das Opfer sei. Der Ukraine wird das Recht auf Souveränität abgesprochen, weil sie als Stellvertreterstaat der USA gesehen wird.
- Leugnung von Menschenrechtsverletzungen: Verbrechen, die nicht ins Weltbild passen, werden als westliche Propaganda abgetan oder komplett geleugnet. Bekannte Beispiele etwa sind der Holodomor (Hier ein Blogpost dazu) oder die Verharmlosung der systematischen Unterdrückung der Uiguren in China.
- Solidarisierung mit Gewaltherrschern: Aus reinem Antiamerikanismus werden (ehemalige und aktuelle) Diktatoren und autoritäre Machthaber wie Stalin, Putin, Baschar al-Assad oder das iranische Regime zu antiimperialistischen Helden erklärt – völlig ungeachtet der brutalen Unterdrückung der eigenen Bevölkerung.
- Antisemitismus: Tankies neigen zu Antisemitismus. Verkleidet als antizionistischer Kampf, wird Israel nicht als Staat mit durchaus kritisierbarer Regierungspolitik betrachtet, sondern als das ultimative koloniale Übel, dessen bloße Existenz bekämpft werden müsse. Und nein: Kritik an ISRAEL und der dortigen Politik ist KEIN Antisemitismus. Aber es ist sehr wohl antisemitisch, wenn man Menschen dafür anfeindet, wenn diese nicht das grundlegende Existenzrecht Israels in Frage stellen. So werden etwa Menschen, die sich für die Zwei-Staaten-Lösung aussprechen, pauschal als zionistisch und damit als Feind eingestuft.
- Gulags: Ein weiteres, erschreckendes Merkmal ist die systematische Verharmlosung oder gar Leugnung der sowjetischen Gulags. Diese waren Straf- und Arbeitslager, welche besonders unter Stalin massiv genutzt wurden. Millionen von Menschen – darunter politische Abweichler, Intellektuelle und ethnische Minderheiten – wurden in diese Lager deportiert. Unzählige Menschen starben dort durch Zwangsarbeit, Hunger, Kälte und Hinrichtungen. Tankies rechtfertigen diese Lager nicht nur oft, sondern träumen sogar offen davon, heutige Feindbilder wieder in solche Gulags zu stecken. Auch wenn sich die zugrundeliegenden Ideologien radikal unterscheiden und der beispiellose, industriell organisierte Völkermord der Nazis in den Konzentrationslagern historisch einzigartig bleibt, gibt es in der Struktur der Lagerhaft deutliche Parallelen – welche Tankies jedoch bis heute leugnen.
- Anfälligkeit für Verschwörungstheorien: Tankies neigen ebenso oft wie Rechte dazu, auf Verschwörungsmärchen reinzufallen und diese zu verbreiten. Sie leugnen historische Verbrechen, sehen in den westlichen Medien das pure Böse und verbreiten Falschmeldungen.
Das Fazit
Tankies sind Vertreter einer zutiefst autoritären und menschenfeindlichen Ideologie. Wer im Namen des vermeintlichen Antiimperialismus Diktatoren zujubelt, völkerrechtswidrige Kriege rechtfertigt und Menschenrechte relativiert, handelt entgegen jeglichen Grundwerten unserer Gesellschaft. Es ist essenziell, diese Haltung als das zu benennen, was sie ist: eine antidemokratische, rot lackierte Ideologie, welche mit ihren Methoden und Ansichten dem Rechtsextremismus weitaus näher steht, als die Anhänger es je zugeben würden.
