August 18, 2026

Goofy des Tages: 19.08.26

In der Rubrik „Goofy des Tages“ werden besonders dumme und bescheuerte Posts und Kommentare aus dem Netz angeprangert. Es gibt immer einen Kontext dazu und eine Analyse meinerseits, WARUM der Post/Kommentar dumm ist. 

Du willst selbst einen dummen Kommentar für die Rubrik einreichen? Dann maile mir den Screenshot mit dem Betreff Goofy an twitch@beriellp.de!

Unser heutiger Goofy ist eine Autorin, die genKI in der Kunst verteidigen und anbeten will. Dabei wirft sie mit den üblichen Argumenten der KI-Bros um sich. Lasst uns diese mal zerlegen.

„KI-Hate!“

Kritik und Ablehnung von generativer KI in der Kunst sind kein Hate. Warum fällt es so vielen Menschen schwer, Kritik und Hate zu unterscheiden?

„Nein, KI verbraucht nicht besonders viel Wasser oder Strom!“

Laut Zoey ist eine Tasse Kaffee schlimmer im Verbrauch. Dass das absoluter Quatsch ist, muss ich kaum erwähnen. Natürlich kommt auch der Vergleich mit Serien-Streaming und Flugreisen.

Aber Fakt ist, Zoey: KI verbraucht sehr wohl eine enorme Menge an Ressourcen. Für jede einzelne Anfrage. Und natürlich sind auch Flugreisen klimatechnisch nicht optimal. Aber in ein Flugzeug passen viele Menschen. Ein Flug bringt also VIELE Menschen an ein Ziel und verbraucht dabei dieselbe Menge Energie. Generative KI hingegen verbraucht für ein einfaches Gespräch mit 10 bis 50 Fragen 500 ml Wasser. Wenn man nun einmal bedenkt, wie viele Anfragen wohl zeitgleich pro Minute aktuell allein bei chatGPT laufen, wird also allein in diesem Augenblick vermutlich schon einiges an Wasser vergeudet – für ein paar schlechte KI-Bilder, simple Fragen die auch Google lösen könnte oder irgendeinen dummen Trend.

Allein das Training von chatGPT 3 hat rund 5,4 Millionen Liter Wasser benötigt.

Allein 2024 haben Rechenzentren über 2 Milliarden(!) Liter Wasser verbraucht. So viel Kaffee trinkt deine gesamte Familie in ihrem gesamten Leben nicht!

„KI nimmt uns die Jobs nicht weg!“

Zoey schreibt: „Neue Technik verdrängt Jobs. Das ist normal. Hätten wir das Auto verbieten sollen, damit die ganzen Kutscher und Stalljungen ihre Arbeit behalten?“

Der Vergleich stinkt. Ein Kutscher kann das Autofahren lernen und zum Taxifahrer werden, eine Kartografin eine Software lernen und weiter digital Karten erstellen. Zudem fand die Entwicklung hier mit der Zeit statt, sodass die Menschen auch genug Zeit hatten, sich eben auch beruflich umzustellen, ohne in Not zu geraten.

KI jedoch entwickelt sich derzeit derart rasant, dass sich die Menschen nicht anpassen können. Kunstschaffende etwa, deren gesamte Lebensgrundlage in ihren Aufträgen für ihre Kunst besteht, verlieren diese Grundlage schlagartig, wenn niemand sie mehr bucht, sondern alles von KI erstellen lässt. Hier ist keine Zeit zum Anpassen, weil die Existenz akut gefährdet ist. Auch setzen zahlreiche Unternehmen schon jetzt viele Angestellte auf die Straße, weil deren Jobs durch KI wegfallen – von jetzt auf gleichDas ist kein natürlicher Fortschritt, wie seinerzeit eben beim Auto, Zoey.

„KI-Hass ist klassistisch und ableistisch!“

Dieses Argument ist mit der Hauptgrund für den Goofy-Titel heute.

Zoey schreibt, nicht jede*r hätte Zeit, Kraft oder Geld für Kunst. Die Definition von Kunst sei „elitär“. Chronisch kranke, Alleinerziehende und Neurodivergente Menschen könnten ohne KI gar keine Kunst schaffen. Und das ist falsch!

  1. Die Definition von Kunst ist absolut nicht elitär. Im Gegenteil. Man erinnere sich an die An die Wand geklebte Banane in einer Ausstellung. Ja, das gilt als Kunst. Ein einfaches Strichmännchen kann Kunst sein. Die einzige Definition, die „wir“ KI-Gegner festlegen: Sie muss menschgemacht sein. Niemand setzt voraus, dass du einen Picasso zeichnen kannst. Solange du es selbst machst und nicht andere Artists bestiehlst (was KI nun mal mit ihrer Quelllage tut).
  2. Chronisch Kranke und Neurodivergente Menschen Kunstschaffende gibt es zu Hauf. Ich habe eine Kunstschaffende Person gesehen, die keine Arme und Beine hat und nur mit dem Mund einen Pinsel führt, um Bilder zu zeichnen. Es ist viel mehr ableistisch, diesen Menschen die Kunst-Fähigkeit ohne KI abzusprechen.
  3. Klassismus: Wer sich ein Smartphone, einen PC oder ein Tablet leisten kann – was man für genKI ja braucht – kann sich auch einen Bleistift und einen Block leisten.

Natürlich braucht es Zeit, eine Kunstform zu erlernen. Aber diese braucht jedes Hobby. Es braucht ebenso Zeit, wenn ich ein Videospiel durchspielen will – soll ich jetzt KI für mich zocken lassen? Und JEDER Mensch bringt irgendwie Zeit für seine Hobbys auf. Wenn man nun etwas von dieser Zeit zum Lernen abzwackt, dann geht das auch.

Es gibt zahlreiche Gründe, gegen generative KI zu sein – vor allem, wenn man selbst aus dem künstlerischen Sektor kommt, Zoey.

Grüße von einem neurodivergenten Menschen