Mai 26, 2026

eyou.social – das „europäische Twitter“: Ein Zwischenfazit

Inzwischen gibt es soziale Netzwerke, wie Sand am Meer. Einige orientieren sich an Facebook, andere an Twitter (werde es btw. weiterhin so nennen, scheiß drauf, was Elmo Murks sagt).

Und seit kurzem gibt es noch einen neuen Twitter-Konkurrenten: Eyou social – https://eyou.social

Was ist eyou?

Im Endeffekt ist es ein soziales Netzwerk wie Twitter oder BlueSky. Die Besonderheit ist hier vor allem, dass es aus Europa kommt (dafür steht auch das e im Namen). Bedeutet: Die Server stehen in Europa und eure Daten damit auch. Zudem setzt eyou auf einen KI-basierten Faktencheck. Bedeutet: Jeder Post wird beim Erstellen analyisiert, ob darin faktische Aussagen getroffen werden und dann wird deren Wahrheitsgehalt mit Quellen aus dem WWW abgeglichen. Falls alles passt, gilt der Post als verifiziert und die Fakten damit als korrekt. Damit will man Schwurbelei und Fakenews einen Riegel vorschieben. Ob und wie gut das funktioniert, erfahrt ihr später in diesem Post.

Ich will euch hier meine eigenen Erfahrungen schildern, welche ich bisher mit dem Netzwerk gemacht habe. Legen wir los.

Wichtig: eyou ist aktuell als BETA deklariert. Viele Funktionen sind also noch nicht final integriert und könnten sich ändern. Das ist mir auch bewusst. 

Die Anmeldung

Direkt zu Beginn eine – aus meiner Sicht – negative Sache: eyou kann aktuell nur über die Apps aus dem entsprechenden Appstore mobil genutzt werden. Also auf Android und IOS. Eine Browser-Version gibt es – Stand heute – noch nicht. Am PC lassen sich hier durch Emulatoren Abhilfe schaffen (ich nutze etwa Memu), aber optimal ist das dennoch nicht.

Dann könnt ihr einen Account anlegen. Das geht entweder über euer Google-Konto, oder ihr registriert euch direkt per Mail und Passwort, ganz klassisch.

Der Feed

Habt ihr alles erledigt, euer Profil angelegt und gestaltet, landet ihr im Feed. Dieser wird in Kategorien eingeteilt.

  • Entdecken: Hier werden euch per Algorithmus Posts vorgeschlagen und angezeigt. Hier könnt ihr dann wiederum nach Unterthemen filtern: Für dich, Neueste, Politik, etc.
  • Abonniert: Hier werden euch Posts von Accounts angezeigt, denen ihr folgt
  • Pulse: Hier werden Nachrichten und aktuelle Themen angezeigt.

 

Mit Posts könnt ihr dann wie gewohnt interagieren: Ihr könnt liken (und auch disliken), Kommentieren und reagieren (Emotes, wie auf Facebook).

Zudem seht ihr bei jedem Post dann auch entsprechend die Faktencheck-Anzeige.

Die Stimmung

Aktuell ist die Stimmung sehr positiv. Die Posts sind mehrheitlich linksgerichtet, positiv und wertschätzend. Trolle sehe ich aktuell eher selten. Das könnte sich noch ändern, hier hoffe ich aber, dass die Betreiber ordentlich moderieren.

Sichtbarkeit

Ein großer Haken aktuell: Es gibt keine Hashtags und keine Suchfunktion für Begriffe und Posts. Die Suche beschränkt sich auf Usernamen. Ich habe noch nicht ganz rausgekriegt, wie der Algo genau funktioniert, ich vermute aber, dass es per KI läuft. Die Einordnung der Posts nach Kategorien (Humor, Politik, etc.) scheint jedenfalls über KI zu laufen, denn eine solche Auswahl kann ich selbst beim Posten nicht treffen. Wie gut und präzise das funktioniert, habe ich noch nicht abschließend testen können.

Der Faktencheck

Kommen wir zum Elefanten im Raum: Der Faktencheck. Dieser basiert auf genKI. Und diese macht bekanntermaßen noch Fehler. Das ist hier auch tatsächlich Der Fall. Denn es werden gerne mal Posts verifiziert, sobald die KI auch nur EINE EINZIGE faktische Aussage als richtig erkennt. Zudem lassen sich Beiträge nachträglich bearbeiten (ohne Zeitlimit), die Prüfung erfolgt aber nur beim ersten Posten. Das bedeutet: Erstelle ich einen Post, welcher dann etwa verifiziert wird und ändere diesen nachträglich, erhalte ich dennoch eine Korrekt-Markierung für einen Post, welcher dann aber doch Fake-Meldungen beinhaltet. Man kann zwar noch auf das Symbol für den Check klicken und dort mehr zum Ergebnis erfahren, was Fakes wiederum aufklären würde, aber wir wissen alle, dass viele Menschen dass am Ende doch nicht machen.

Das Bearbeiten von Posts ist zudem ebenfalls kritisch, weil man so etwa Posts eine Zustimmung (Also einen Like) gibt, die am Ende doch zu einem Negativpost umgeändert werden könnten, worauf man ungewollt selbst zugestimmt hat. Dass kann den Diskurs massiv verfälschen.

Keine privaten Nachrichten

Es gibt aktuell keine Funktion für private Nachrichten – was ich nicht schlecht finde, aber merke es dennoch an.

Blocken, Moderation

Hier vermisse ich einige Funktionen von Threads. Wenn man auf Threads einen User blockiert, werden dessen Kommentare unter eigenen Posts für alle anderen ausgeblendet. Das ist hier nicht so. Wenn ihr einen User blockiert, seht ihr den Kommentar/die Kommentare nicht mehr, aber alle anderen weiterhin. Ihr habt auch sonst keine Möglichkeit – abseits vom Melden – einen unerwünschten Kommentar unter euren Posts loszuwerden.

Positiv finde ich, dass es keine Blocklisten gibt wie bei BlueSky.

Das Zwischenfazit

Im großen und Ganzen ist eyou echt okay bisher. Aber es fehlt noch viel und ich hoffe sehr, dass die Devs noch liefern. Im aktuellen Zustand gebe ich dem Netzwerk eine solide 6,5/10.