Die meisten von euch werden das Spiel im Titel vermutlich nicht kennen. Dabei hat es mit dazu beigetragen, dass wir später unter anderem legendäre Spiele wie Half Life 2 mit bahnbrechenden Physik-Effekten bekamen. Wie genau das möglich ist? Nun, lasst uns eine kleine Zeitreise machen – ins Jahr 1998.
1997 kam Jurassic Park in die Kinos und verschlug der Welt den Atem. Der Hype um die Dinos brach los. Und Dreamworks Interactive – eine Kooperation zwischen Microsoft und Dreamworks SKG (ein von Steven Spielberg himself mitbegründetes Unternehmen) – sollte eine Anschlusserzählung für den Film in Form eines Videospiels entwickeln. Dieses Spiel sollte eigentlich ebenfalls 97 erscheinen, technische Probleme sorgten jedoch für eine Verspätung auf 98. Dies hat leider nicht viel geholfen – dazu später mehr.
Der Spieler erlebt die Story des Spiels aus Sicht einer jungen Frau namens Anne, welche einen Flugzeugabsturz überlebt und auf Isla Sorna landet. Ziel des Spiels ist es, lebend zu entkommen. Gameplay-technisch sollte das als ein Survival-Horror ablaufen, wurde aber quasi last Minute zu einem Ego-Shooter umgebaut.
Die Technik
Das Studio machte bereits im Vorfeld auf sich aufmerksam, als sie mit sehr vielen Ambitionen über technisch fortgeschrittene Funktionen sprachen. So wollte man enorm intelligente KI, realistische Physik und – für damalige Verhältnisse – realistische Grafik auf den Heimcomputer zaubern. Letztlich aber sorgten diese Ambitionen für mehrfachen Verschiebungen, hohe Lizenzkosten und einem drohenden Aus für das Projekt. Erst nach enormen Kürzungen konnte man das Projekt doch noch auf den Markt bringen. Das fertige Spiel enttäuschte dann Kritiker und Fans gleichermaßen, da es im fertigen Zustand weit entfernt davon war, was eigentlich so versprochen worden war.

Die Grafik war bereits da veraltet aber brachte dennoch die meisten Computer seiner Zeit an die Grenzen. Kaum jemand vermochte das Game flüssig zu spielen.
Dinge wie die Physik und der realistische Sound waren zwar sehr hochwertig, konnten aber die Schwächen nicht ausgleichen. Denn gerade das Gameplay erwies sich als unausgegoren.
Man spielt Anne aus der Ego-Ansicht. Genauer gesagt ihren Brustkorb und den rechten Arm (aus zeitlichen Gründen fehlt der linke Arm, hier wurde dann kurz vor Release die Story angepasst, sodass sie diesen beim Absturz verletzt und nicht nutzen kann). Der Brustkorb dient als Gesundheitsanzeige: Schaut man mit der Kamera runter, sieht man in Annes Ausschnitt, auf der linken Brust ist ein Herz-Tattoo, welches sich bei Schaden füllt. Ist das Herz komplett rot, ist das Spiel vorbei. Der Arm ist das Kernstück der Mechanik. Diesen steuert man mit der Maus, um damit Objekte und Waffen aufzuheben und zu nutzen. Hier kommt dann die Physik zum Einsatz. Man kann Dinge aufheben, umwerfen, werfen, stapeln. Waffen müssen aktiv aufgenommen, mit Mausbewegung ausgerichtet und dann abgedrückt werden (es gibt kein Fadenkreuz). Den Munitionsstand kommentiert Anne immer akustisch – es gibt keinerlei Hud-Elemente. Was sich sehr intuitiv anhört, spielt sich leider schrecklich fummelig. Der präzise Einsatz von Waffen erweist sich als nahezu unmöglich, was Feuergefechte besonders tödlich macht – auch wenn die Dinos eine enorm primitive KI haben (Anders, als angedacht) und einfach nur strunzdoof sind.
Die Physik machte noch Probleme, Objekte bleiben oft ineinander hängen.
Das Spiel erntete entsprechend miese Kritiken und war auch finanziell ein Fehlschlag.
Meine Meinung
Trotz aller Probleme des Spiels habe ich es seinerzeit sehr genossen. Ja, ich war sehr jung damals, aber ich habe es tatsächlich kurz nach Release am PC meines Vaters – unter dessen Aufsicht – gespielt. Wir haben es gemeinsam erlebt. Mein Vater ist wie ich begeistert von Dinosauriern und so war das ein Must Have für uns beide. Ich werde die Abende nie vergessen, an denen wir gemeinsam dasaßen und verzweifelten, weil wir an einem bestimmten Punkt des Spiels massiv Probleme hatten. Und doch haben wir uns durchgekämpft, bis zum Ende.
Jahre später habe ich es noch einmal gespielt und immer noch Spaß gehabt. Dementsprechend finde ich es schade, dass das Game bzw. dessen Idee einfach so verloren ging und keine Fortsetzungen gewagt wurden – oder zumindest ein Remake. Denn gerade SOLCHE Games sind eigentlich perfekt dafür geeignet. Und aktuell sind die Zeiten dafür sehr gut. Dinosaurier sind aktuell wieder im Trend. ARK bzw. das (irgendwann) kommende ARK 2, Ferocious…es soll sogar ein neues Jurassic Park Game kommen. Und auch wenn Code Violette eine Vollkatastrophe ist – das Game gehört auch zu aktuellen Titeln mit Dino-Thema.
Doch obwohl die Riesen-Echsen gerade einiges an Games bekommen – das Konzept hinter Trespasser ist nach wie vor einmalig. Stellt euch einmal folgendes vor:
Das Konzept von damals mit der Physikbasierten Steuerung, den (geplant) intelligenten Dinos…nur mit heutiger Technik. Physikberechnung ist inzwischen längst nicht mehr so neu, wie damals Anno 97/98. Ergo kann man da wunderbar ansetzen. Die Grafik könnte man mit einer UE5 umsetzen. Dann die Steuerung ein wenig überdenken und spaßiger machen. Die KI der Dinos wäre ebenfalls kein Problem mehr. Wäre doch geil, oder?
Was sagt IHR zu dem Thema? Kanntet ihr das Game bereits? Habt ihr es gespielt? Würdet ihr ein Remake zocken? Schreibt es doch gerne in die Kommentare!
Euer
Beriel