„Mann oder Bär“ & „Was wäre wenn du die letzte Frau unter Männern wärst“ – was Männer aus diesen Themen lernen MÜSSEN
Liebe Mit-Männer, wir müssen reden. Ganz dringend. Über das Patriarchat, über Misogynie und über die wahre Bedeutung von Männerhass, bzw. das, was ihr als solchen bezeichnet.
Vor einiger Zeit hatten wir ja schon die Mann vs Bär Debatte, in welcher Frauen erklärten, warum sie im Wald lieber einem Bären als einem ihnen unbekannten Mann begegnen würden. Eine rein hypothetische Frage – von welcher sich zahlreiche Männer wieder einmal angegriffen fühlten. Diese Männer versuchten daraufhin, diese hypothetische Frage ins Lächerliche zu ziehen, bzw. rein rational zu erklären, was der Bär ja mit den Frauen machen würde – ohne zu verstehen, dass sie damit den Punkt sogar noch bestätigten. Männer haben den Punkt bis heute nicht verstanden.
Mann vs. Bär
Es geht nicht darum, dass Frauen lieber mit einem Bären zusammen sein würden, als mit einem Mann. Es geht vielmehr um die Frage, was würde ein Bär einer Frau antun im Vergleich dazu, was ein Mann ihr antun könnte – anhand von Dingen, die Männer Frauen tatsächlich schon angetan haben und immer wieder antun.
Ein Bär würde die Frau vielleicht angreifen, wenn er sich selbst bedroht fühlt. Er würde das nicht tun, nur weil er die Frau hasst. Der Bär würde die Frau nicht bewusstlos machen, in sein Auto zerren und dann in seinen Keller sperren, um sie mehrfach zu quälen, zu missbrauchen und dann langsam zu töten. Der Bär würde ihr nicht hinterherpfeifen und sie sexuell belästigen mit Anmachsprüchen. Er würde sie nicht bedrängen, ihm ihre Nummer zu geben, ein Nein mehrfach ignorieren und sie dann bis vor ihre Haustür verfolgen.
Nein – wenn der Bär sie angreifen würde, dann würde er es aus Notwehr tun und es wäre auch sehr wahrscheinlich danach vorbei. Entweder ist die Frau danach halt direkt TOT und er lässt sie liegen, oder aber sie überlebt vielleicht verletzt, kommt ins Krankenhaus – aber der Bär wird dann nicht ins Krankenhaus zurückkommen, um sie doch zu töten, damit sie keine Aussage machen kann. Der Bär wird ihr keine Säure ins Gesicht kippen, weil sie Nein gesagt hatte.
Und ja, das sind alles Dinge, die Männer Frauen schon angetan haben und immer noch immer wieder antun.
Das ist kein Männerhass, das ist einfach ein Fakt.
Die letzte Frau auf Erden
Neuerdings gibt es eine erneute hypothetische Frage unter Frauen: Was würdest du tun, wenn du die letzte lebende Frau unter Männern wärst?
Die Antwort auf diese Frage ist erschreckend oft sehr ähnlich: Die Frauen antworten meist – unabhängig voneinander – dass sie sich selbst umbringen würden und dann noch ihren Körper unbenutzbar machen würden (etwa durch Verbrennen, mit Säure vernichten, etc.). Warum? Weil sie eine Angst haben davor, was die Männer ihnen lebendig wie tot antun könnten. Und wieder fühlen sich Männer davon angegriffen. Sie sehen da wieder Männerhass.
Nein, Guys, das ist kein Männerhass. Das ist bittere Realität. Frauen haben diese Angst nicht ohne Grund. Männer tun Frauen bereits im tatsächlichen Leben tagtäglich unfassbare Gräueltaten an: Vergewaltigungen, Säureangriffe, Verstümmelungen, Schläge, Femizide. Und ja, auch tote Frauen bleiben nicht verschont: Immer wieder liest man von Leichenschändungen. Diese betreffen zwar nicht immer nur Frauen, aber allein der Fakt, dass sowas passiert, bestätigt, dass selbst der Tot den eigenen Körper nicht schützt.
Dass Frauen sich nun also dieser Frage stellen und solche Antworten geben, ist traurig und sollte Männer zum Nachdenken bewegen.
Was soll „Mann“ tun?
Wir sollten nicht nachdenken, ob das irgendein Männerhass sei, sondern warum Frauen so antworten und wie wir Männer das ändern können. Denn es liegt an uns, das zu tun. Wir Männer sind es, vor denen Frauen Angst haben. Von denen sie dieses Leid erfahren. WIR sind die Täter. Und damit schließe ich auch tatsächlich alle Männer – auch mich – ein.
Wir sind alle Täter: Diejenigen, welche solche Dinge tun, aber auch die anderen Männer, die dazu schweigen, die zusehen, die den Frauen die (Mit-)Schuld an solchen Ereignissen geben wollen.
Wir alle profitieren vom Patriarchat. Wir alle haben schon schon patriarchale Macht ausgeübt – wenn auch manchmal unbewusst. Und es liegt an uns allen, uns selbst zu reflektieren. Unser eigenes Verhalten zu ändern, zu verbessern. NEIN zu sagen, wenn der eine Kumpel auf der Party wieder einen frauenfeindlichen Witz macht oder das Nein der Barkeeperin nicht akzeptiert. NEIN zu sagen, wenn wir in der Bahn sehen, wie der 64-Jährige Klaus die 24-Jährige Anita bedrängt. NEIN zu sagen, wenn in den Kommentaren unter einem Zeitungsbericht über eine Vergewaltigung wieder Männer eine bestimmte Herkunft/Religion zum Problem erklären wollen, um mit Rassismus die Verantwortung des eigenen Geschlechts abzublocken. NEIN zu sagen, wenn der Onkel auf der Grillfeier übergriffig den Babybauch eurer Nachbarin kommentiert. Und natürlich auch selbst kein solches Verhalten an den Tag zu legen.
Und vor allem: Statt sich angegriffen zu fühlen bei einem Kritikpost über Männer, den Frauen zuzuhören und ihnen den Raum geben, sich zu äußern. Und zu verstehen, warum Frauen sich so äußern.
