Stinken für die Liebe: Pheromone-Maxxing und was Männer sonst so tun, anstatt in Therapie zu gehen
Als Kind habe ich Monty Python’s Flying Circus geliebt. Ich konnte wunderbar über die – teilweise sehr absurden – Sketches lachen und mich amüsieren. Britischer Humor war einfach meins. Ich gebe zu, dass ich generell sehr auf absurden Humor stehe – South Park und sogar Family Guy können mich zum Lachen bringen.
Doch gleichwohl war ich immer sicher, dass gewisse Absurditäten unrealistisch sind. Sprich: Derart absurde Dinge könnten niemals im wirklichen Leben geschehen.
Aber: Offenbar muss ich diese Gewissheit über Bord werfen. Oder zumindest überdenken, welche Absurditäten nicht doch möglich sind. Denn in den letzten Jahren – vor allem seit dem Aufkommen von Social Media – sind so viele Dinge im wirklichen Leben passiert, die ich mir früher allerhöchstens in einer South-Park-Folge vorgestellt hätte. Doch diese Dinge sind tatsächlich passiert. Unter anderem die Manosphere – eine Bubble aus unfreiwillig sexuell enthaltsamen Männern, die mit derart dummen Dingen um die Ecke gekommen sind, dass selbst Peter Griffin und Homer Simpson im direkten Vergleich zu diesen Männern wie hochintelligente Wissenschaftler wirken würden.
Was ist die Manosphere?
Doch fangen wir bei 0 an (was ungefähr dem IQ des durchschnittlichen Incels entspricht, dazu aber später mehr).
Die Manosphere – was ist sie?
Dieser Begriff beschreibt ein loses, vorwiegend antifeministisches Netzwerk von Männern. Es umfasst Foren, Blogs und Kanäle im Netz, welche unterschiedliche Ziele verfolgen. Etwa die Selbstoptimierung (Looksmaxxing, dazu später mehr), mehr Männlichkeit oder das Verführen von Frauen. Alle diese losen Bubbles haben jedoch eines gemeinsam: Im Kern sind alle Teile der Manosphere frauenfeindlich eingestellt; von relativ mildem Sexismus bis hin zu extremem Hass.
Die Anhänger der Manosphere betrachten Feminismus und politische Korrektheit als Feindbilder, welche Männer zum Opfer einer männerfeindlichen Kultur machen würde. Die Männer müssten diese Kultur bekämpfen, um die eigene Existenz zu schützen. Oft sind auch Rassismus und Fremdenfeindlichkeit mit in die Weltanschauung der Männer dieser bubbles verwoben.
Looksmaxxing
Eine der Bubbles aus der Manosphere ist die der Looksmaxxer. Looksmaxxing ist ein Kofferwort aus den englischen Begriffen Looks (Aussehen) und maxxing (Maximierung). Es geht also um die Maximierung und Optimierung des eigenen Aussehens und der eigenen körperlichen Attraktivität. Die Anhänger dieser Bubble vertreten die Ansicht, dass Frauen bei der sexuellen Selektion in erster Linie auf das Aussehen achten würden und alles andere – Charakter, Persönlichkeit, etc. – klar untergeordnet sei.
Dementsprechend sind Looksmaxxer bemüht, ihr Aussehen zu optimieren, um ihr Ziel – sexuellen Kontakt zu Frauen, anstatt wie davor zu ihren eigenen Socken und Staubsaugern – zu erreichen. Hier spaltet sich die Bubble in zwei Bereiche:
- Softmaxxing: Hier werden vor allem nicht-invasive und eigentlich auch logische Methoden verwendet: Körper- und Hautpflege, Kleidung, Sport, Gewichtskontrolle.
- Hardmaxxing: Die Hardmaxxer sind deutlich extremer unterwegs. Hier werden – oft illegale – Substanzen eingenommen (Steroide, Peptide, Hormone), um die Körpergröße und das Aussehen anzupassen. Auch greifen Hardmaxxer oft zu kosmetischen Operationen und fragwürdigen Eigenmethoden, wie dem Bonesmashing: Hier wird das eigene Gesicht mit Gegenständen wie einem Hammer geschlagen, um die Kieferknochen in Form zu prügeln.
Pheromone-Maxxing
Jetzt kommt jener Teil, der so aus einer South-Park-Folge stammen könnte.
Grob zusammenfassen lässt sich diese Bubble mit folgendem Video:
Richtig. Die Männer aus dieser Bubble sind überzeugt davon, dass Frauen sich von dem natürlichen Geruch von männlichen Pheromonen angezogen fühlen. Und wie wollen sie diese Natürlichkeit erreichen: Indem sie stinken. Sie duschen nicht mehr, tragen ihre Kleidung ungewaschen, nutzen keine Deos, keine Parfüms. Und sie trinken den eigenen Urin, um den Geruch zu verstärken. Ihr könnt euch denken, wie angenehm die Nähe zu diesen Männern sein wird.
Ja – Männer glauben das wirklich. Und sie tun das wirklich.
Das ist kein Drehbuch eines schrägen Autorenteams. Das sind echte Menschen.
Social Media belohnt Radikalität und Banalität Wer die dümmste Behauptung aufstellt, bekommt die meiste Aufmerksamkeit. Unsichere, einsame junge Männer verfangen sich in diesen digitalen Echokammern, bis sie irgendwann ernsthaft glauben, dass Schläge mit dem Hammer ins eigene Gesicht oder das Meiden der Dusche die logische Antwort auf ihre Einsamkeit sind – und dass Frauen schuld daran sind, wenn der Plan nicht aufgeht.
Ich wünsche mir von ganzem Herzen, dass die Männer aufwachen und normaler werden – und endlich wieder Seife benutzen.
