September 14, 2026

„Ich bin mit Leib und Seele Antifaschist“ – und die Faschisten eskalieren

In der ZDF-Sendung Volle Kanne trat neulich Sebastian Krumbiegel, seines Zeichens Sänger der Band Die Prinzen, auf und sagte als Reaktion auf einen Zuschauer-Kommentar folgendes:

Ich bin mit Leib und Seele Antifaschist.

Außerdem sagte er, dass seiner Ansicht nach jeder Demokrat ein Antifaschist sein sollte. Womit er übrigens recht hat. Denn der Faschismus ist absoluter Feind der Demokratie.

Absurderweise – jedoch nicht überraschenderweise – sorgt diese Aussage von ihm online vor allem auf Twitter und Facebook für haufenweise wütende Emojis, Beleidigungen und Hasskommentare.

 

Das sind nur einige der Highlights zum Thema.

Antifaschismus = Antifa = Links“extrem“ = kaputtes Auto = böse

An all diesen Reaktionen erkennt man wunderbar, wie stark inzwischen der Einfluss der politisch Rechten auf unsere Sprache und bestimmte Wort-Definitionen ist. Dank dieses Einflusses wird das Wort Antifaschist inzwischen nur noch als Antifa gesehen. Und Antifa, das sind ja die bösen Linksextremen, die Steine nach ihren Gegnern werfen und Autos anzünden – so sagt es zumindest die AfD.

Diese Gleichung geht natürlich nicht auf, wenn man sich auch nur ein klitze kleines bisschen damit befassen würde. Aber die Minions der Blauen Hetzer befassen sich natürlich nicht mit sowas. Denn Bildung und Intelligenz sind bei den hässlichen und grässlichen Fanatikern illegal.

 

Das Märchen der „antifa GmbH“

Doch was ist die antifa nun wirklich?

Der Begriff antifa ist die Kurzform für Antifaschistische Aktion. Anders, als von Rechten Goofies behauptet, ist es ausdrücklich keine Partei, kein Verein, keine klar umrissene Organisation. Es gibt keine Mitgliedsausweise (die dazu existierenden Bilder sind einfach nur Trollings von Linken, um die Rechten zu verspotten), keine zentrale Leitung, keinen Vorstand oder irgendeine Finanzierung – schon gar nicht durch staatliche Institutionen.

Der Begriff beschreibt vielmehr eine lose, dezentrale Bewegung von unterschiedlichen autonomen Gruppen, Initiativen und Einzelpersonen – es ist vergleichbar mit Anonymous. Technisch gesehen kann sich JEDE*R als Antifa bezeichnen, sobald er/sie/they sich als antifaschistisch sieht und sich gegen Faschismus, Rassismus und Rechtsextremismus positioniert und engagiert.

Natürlich gibt es auch Linke Strömungen, die zu weit gehen, extrem reagieren. Das stellt aber nicht das Gesamtbild antifa dar – denn wie schon gesagt: Es gibt sie nicht, DIE Antifa.

Oft sind sogar die einzelnen Gruppen untereinander sich uneinig und kritisieren einander auch.

Dass der Begriff aber dennoch so als Feindbild gesehen wird, kommt vor allem durch mediale Vereinfachung und die politische Instrumentalisierung durch Rechtsextreme zustande.

Die Medien sprechen sehr oft vereinfachend von der Antifa, als handele es sich um eine Gruppierung. Und die Rechten nutzen das aus, um übergreifend alle linken Strömungen mit dem Begriff zu sammeln und zum Feind zu erklären, um von eigenen Extremismus-Problemen abzulenken und um die Stimmung für sich zu nutzen. Indem sie das Bild einer mächtigen, gefährlichen linken Schattenorganisation formen, schaffen Rechte sich ein Feindbild und können sich selbst als Verteidiger von Recht und Ordnung inszenieren.

 

Warum wir dennoch differenzieren müssen

Sind jetzt alle, die wie oben reagieren, Faschisten? Mitnichten.

Grundsätzlich gilt: Nur ein Faschist fühlt sich von Anti-Faschismus angegriffen. Doch wie oben erklärt, wird der Begriff inzwischen medial derart oft verwässert und falsch genutzt, dass sich auch viele einfach nur ungebildete Menschen auf die falsche Definition berufen und hinter der Aussage Ich bin Antifaschist eine völlig andere Bedeutung sehen, als es in Wahrheit hat.

Natürlich sind auch Faschisten unter den Kommentatoren unterwegs, natürlich besteht die Wählerschaft der AfD vornehmlich aus solchen – aber eben nicht nur. Oft sind es einfach fehlende Bildung und die Gruppendynamik, die zu solchen Kommentaren führen. Das macht es nicht besser, keine Frage. Doch zumindest kann man daraus Hoffnung schöpfen. Denn Menschen, die nicht aus Überzeugung, sondern aus fehlender Bildung heraus mitlaufen und so kommentieren, können mit ein wenig gut platzierter Aufklärung abgeholt und gerettet werden. Und jede Seele, die aus den Fängen des Faschismus gerettet werden kann, ist ein kleiner Sieg gegen diesen.

Euer

Beriel