Juni 9, 2026

Der Holodomor – wie Tankies einen Genozid leugnen und die Geschichte verdrehen

Der Holodomor. Eines der finstersten Kapitel in der Geschichte des 20. Jahrhunderts. Eine von Stalin bewusst herbeigeführte Hungersnot in der Ukraine über 2 Jahre (1932-1933), welcher Millionen von Menschen in der Ukraine zum Opfer fielen. Ein Genozid.

Doch wird dieser insbesondere von postmodernen Stiefelleckern der Sowjetunion – den Tankies – immer noch relativiert und kleingeredet. Sie leugnen etwa, dass es ein Genozid war.

Doch, der Holodomor WAR ein Genozid.

Der Begriff „Holodomor“ bedeutet übersetzt Mord durch Hunger. Es war kein unglücklicher Unfall, keine Naturkatastrophe. Es war eine politische Waffe.

Für die Definition als Genozid verweise ich auf die Definition von Raphael Lemkin. Der Kern eines Genozids ist die Absicht, eine nationale, ethnische oder religiöse Gruppe als solche ganz oder teilweise zu vernichten – egal, wie viele Mitglieder getötet werden.

Stalin verfolgte beim Holodomor die Absicht, mithilfe des Hungers den Widerstand der ukrainischen Bauern gegen die Zwangskollektivierung und die ukrainische Nationalbewegung zu vernichten. Es sollte also eine nationale Gruppe vernichtet werden. Die Definition ist somit erfüllt. Auch wenn erst seit 2022, ist der Holodomor inzwischen auch vom deutschen Bundestag als Genozid anerkannt. (Quelle)

Wie lief der Holodomor ab?

Die Hungersnot war eine direkte Folge der Zwangskollektivierung und der »Entkulakisierung«, die zu einem willkürlichen Umsturz der Eigentums- und Produktionsverhältnisse und zu einer Zerrüttung der Lebensgrundlagen der Bauern und der landwirtschaftlichen Produktivität führten. Daraus folgten zurückgehende Ernteerträge, die in Verbindung mit den schlechten klimatischen Bedingungen im Jahre 1932 dazu führten, dass zu wenig Getreide zur Verfügung stand. Doch nicht die Trockenheit, sondern vor allem die brutalen Getreidebeschaffungskampagnen im Winter 1932 / 1933, die der ohnehin schwer geschädigten Landwirtschaft das letzte Korn nahm, waren die Ursache für eine Hungersnot mit Millionen von Toten. Schon deswegen war die sowjetische Partei- und Staatsführung für die Hungersnot verantwortlich. (Quelle)

Weitere stalinistische Maßnahmen, die zum Holodomor führten:

  • Die schwarzen Listen: Für die Dörfer auf diesen Listen bedeutete das: die sofortige Einstellung der Lieferung von Waren, die vollständige Einstellung des kooperativen und staatlichen Handels und das Fortschaffen aller vorhandenen Waren aus den Koop-Läden. Damit wurde über viele Dörfer eine Blockade verhängt wie in einem Krieg, um die Menschen auszuhungern.
  • Die roten Züge: Brigaden, welche alle Nahrungsmittel einsammelten, sogar gekochtes Essen vom Herd.
  • Todesstrafen sogar für Kinder, falls sie den Staat bestahlen, also etwa abgeerntete Felder absuchten
  • Menschen durften die Dörfer nicht verlassen.

Stalin sah die Bauern als Sklaven, das Wort nutzte er auch tatsächlich so in seinen Aufzeichnungen.

Was sind Tankies und warum leugnen sie den Holodomor?

Der Begriff Tankie stammt ursprünglich aus den 1950ern und bezeichnete Kommunisten, die den Einsatz sowjetischer Panzer zur Niederschlagung von Aufständen in Budapest und später Prag guthießen bzw. verteidigten. Heute beschreibt der Begriff eine autoritäre Strömung der Linken, welche reflexartig jedes Regime verteidigt, solange dieses sich selbst als sozialistisch bezeichnet oder schlicht anti-westlich positioniert.

Für Tankies ist die kritische Auseinandersetzung mit den Verbrechen des Stalinismus ein Tabu. Sie sehen darin keinen historischen Diskurs, sondern Redscare, also Angstmache vor dem Kommunismus. Anzumerken sei, dass es echten Kommunismus bisher in keinem einzigen Land gibt – denn dieser sieht eine tatsächliche Gleichstellung aller vor. In den vermeintlich sozialistischen Staaten, die es bisher gibt, regiert aber immer ein autoritäres Regime, welches sich selbst eben höher stellt als das einfache Volk.

Die Lügen der Tankies

Die Methoden der Tankies, den Genozid als solches zu leugnen unterscheiden sich kaum von anderen Genozidleugnern (Wie etwa faschistischen Holocaustleugnern). Auch Tankies bedienen sich einiger gängiger Narrative und Behauptungen.

Die „Naturkatastrophe“ Behauptung: Die Hungersnot sei auf Dürren, Missernten und Pflanzenkrankheiten zurückzuführen. Stalin habe sogar versucht, zu helfen.

Die Wahrheit: Zwar gab es geringfügige klimatische Faktoren, doch diese machten die Ernte lediglich mäßig – erst die sowjetische Politik machte sie tödlich. Während Millionen Ukrainer*innen verhungerten, exportierte die SU weiterhin Tonnen von Getreide in den Westen, um die Industrialisierung zu finanzieren und füllte die staatlichen Reserven auf.

 

Die „Kulaken-Sabotage“ Behauptung: Wohlhabende Bauern (die sog. Kulaken) hätten ihr Getreide gehortet und Vieh geschlachtet, um die SU zu sabotieren. Sie seien also selbst schuld an der Knappheit.

Die Wahrheit: Das Abschlachten von Vieh war oft ein Verzweiflungsakt im Zuge der Zwangskollektivierung. Zudem wurden im Laufe der Kampagne auch ärmste Bauern zu Kulaken deklariert und vernichtet. Ein paar mutmaßliche Saboteure erklären nicht das systematische Verhungern ganzer Landstriche und Gruppen.

Die „Nazi- und CIA-Propaganda“ Behauptung: Der Holodomor sei eine Erfindung der Nationalsozialisten gewesen (welche das Thema tatsächlich für ihre Propaganda nutzten) und später vom Westen und der CIA im kalten Krieg so übernommen worden, um den Kommunismus zu diskreditieren. Tankies bezeichnen das auch gerne als Redscare.

Die Wahrheit: Die heutige Beweislage zum Holodomor basiert nicht auf westlichen Aussagen, sondern auf den geöffneten sowjetischen Staatsarchiven selbst. Dekrete, Briefe Stalins und Berichte der OGPU (sowjetische Geheimpolizei) belegen detailliert die Absicht, die Blockademaßnahmen und das bewusste Inkaufnehmen des Massensterbens.

 

Warum wir nicht länger darüber schweigen dürfen

Die Leugnung bzw. Relativierung des Holodomor ist ein aktiver Angriff auf das historische Gedächtnis und eine Verhöhnung der Opfer.

Wer Genozide der Vergangenheit relativiert, nur weil die Täter die richtige Flagge hissten, verliert jegliche moralische Glaubwürdigkeit.

 

Falls ihr Anmerkungen zum Post habt, dürft ihr diese gerne kommentieren.

In diesem Sinne:

Bleibt anständig,

euer Beriel